Arbeitsmarkt & Förderung
Gehaltserhöhung fordern: so gehst du souverän ins Gespräch
Mehr Gehalt fordern, ohne dich zu verbiegen? So bereitest du das Gehaltsgespräch vor, argumentierst mit deinem Wert und reagierst souverän auf ein Nein.
Oliver Zimmermann, 28. Juli 2026, 4 Min. Lesezeit
Über Geld zu reden fällt vielen schwerer als jede fachliche Aufgabe. Man will nicht gierig wirken, nicht undankbar, nicht die gute Stimmung riskieren. Also wartet man, dass die Erhöhung von selbst kommt. Sie kommt selten von selbst. Wer mehr verdienen will, muss es meist ansprechen, und das lässt sich vorbereiten wie jede andere wichtige Sache auch.
Zuerst: kenne deinen Wert, nicht nur deinen Wunsch
Eine Gehaltsverhandlung gewinnt man nicht mit „ich hätte gern mehr”, sondern mit „das bringe ich, und das ist es wert”. Bevor du ins Gespräch gehst, sammle deine Belege:
- Welche Ergebnisse hast du im letzten Jahr geliefert? Möglichst konkret, mit Zahlen, wo es geht.
- Welche Aufgaben sind dazugekommen, seit dein Gehalt zuletzt festgelegt wurde?
- Wo bist du für das Team oder deine Führungskraft unverzichtbar geworden?
- Was ist auf dem Markt für deine Rolle und Erfahrung üblich?
Der letzte Punkt ist wichtig: Informiere dich über die marktübliche Spanne für deine Position und Region, über Gehaltsportale, Stellenanzeigen oder das Gespräch mit Menschen in ähnlichen Rollen. So wird aus einem Bauchgefühl eine belastbare Zahl.
Wer sich schwer damit tut, die eigenen Stärken klar zu benennen, findet im kostenlosen Stärken-Finder einen ruhigen Einstieg. Er hilft dir, in Worte zu fassen, was du wirklich mitbringst, und genau das brauchst du im Gehaltsgespräch.
Den richtigen Zeitpunkt wählen
Der Moment entscheidet mit. Gut sind Zeitpunkte, an denen dein Beitrag frisch sichtbar ist: nach einem erfolgreich abgeschlossenen Projekt, bei der Übernahme neuer Verantwortung, im jährlichen Mitarbeitergespräch. Schlecht sind Phasen, in denen die Firma sichtbar spart oder dein Gegenüber selbst unter Druck steht. Kündige das Thema an, überfalle niemanden damit: „Ich würde gern einen Termin machen, um über meine Aufgaben und meine Vergütung zu sprechen.” So kann sich auch die andere Seite vorbereiten.
Eine konkrete Zahl nennen, keine Spanne nach unten
Ein häufiger Fehler: aus Vorsicht zu tief einsteigen. Nenne eine konkrete Zahl, die etwas über deinem eigentlichen Ziel liegt, damit Verhandlungsspielraum bleibt. Begründe sie mit deinem Wert, nicht mit deinen Kosten. „Weil die Miete gestiegen ist” ist dein Problem, „weil ich seit einem Jahr das Team fachlich führe” ist ein Argument. Und dann, das ist schwer: Sag deine Zahl, und sei still. Das Schweigen auszuhalten ist unangenehm, aber wer zuerst nachbessert, verhandelt gegen sich selbst.
Souverän mit einem Nein umgehen
Ein Nein ist kein Ende, sondern der Anfang der eigentlichen Verhandlung. Frag ruhig nach: „Was müsste sich ändern, damit es möglich wird?” So bekommst du entweder einen konkreten Weg oder die ehrliche Auskunft, dass hier gerade nichts geht. Beides ist wertvoll.
Wenn beim Geld wirklich nichts möglich ist, verhandle über anderes, das auch etwas wert ist: mehr freie Tage, flexibles Arbeiten, Weiterbildung, einen klaren Entwicklungsplan mit festem Termin für die nächste Runde. Und halte fest, was vereinbart wurde. Ein „schauen wir mal” ohne Datum ist ein höfliches Nein.
Wenn das Nein grundsätzlich ist
Manchmal zeigt ein Gehaltsgespräch, dass du am falschen Ort bist: dein Beitrag wird nicht gesehen, Entwicklung ist nicht vorgesehen, die Wertschätzung fehlt. Dann ist die Zahl nur das Symptom. Bevor du überstürzt kündigst, lohnt der ehrliche Blick, ob es an der Firma liegt oder an der Passung insgesamt. Manchmal steckt dahinter auch eine leise Unzufriedenheit, die länger schwelt, mehr dazu im Beitrag Innere Kündigung.
Im Coaching im Job bereiten wir solche Gespräche gemeinsam vor, üben deine Argumentation und schauen, was du realistisch erreichen kannst, für Beschäftigte über einen AVGS oft kostenfrei. Denn Verhandeln ist erlernbar, es hat wenig mit Talent und viel mit Vorbereitung zu tun.
Häufige Fragen zur Gehaltserhöhung
Wie viel Prozent kann ich realistisch fordern? Das hängt stark von Branche, Rolle und deiner Ausgangslage ab. Orientiere dich an der marktüblichen Spanne für deine Position und begründe deine Zahl mit konkreten Ergebnissen, nicht mit einem festen Prozentwert.
Was, wenn ich Angst habe, dass die Frage mir schadet? Ein sachlich vorgetragener, gut begründeter Wunsch schadet dir in aller Regel nicht. Im Gegenteil, er zeigt, dass du deinen Wert kennst. Schaden kann eher fordernder oder drohender Ton.
Soll ich ein Konkurrenzangebot als Druckmittel nutzen? Nur, wenn es echt ist und du bereit wärst, es anzunehmen. Ein Bluff, der auffliegt, kostet dich Vertrauen. Besser ist, mit deinem Wert zu argumentieren statt mit Drohungen.
Wie oft darf ich nach einer Erhöhung fragen? Üblich ist einmal im Jahr, etwa zum Mitarbeitergespräch, oder wenn sich deine Aufgaben deutlich erweitert haben. Wichtiger als die Häufigkeit ist ein guter Anlass und eine gute Begründung.
Fazit
Mehr Gehalt bekommt selten, wer am längsten wartet, sondern wer gut vorbereitet fragt. Kenne deinen Wert, wähle den Moment, nenne eine konkrete Zahl und bleib auch bei einem Nein souverän. Wenn du das Gespräch mit jemandem üben willst, der viele davon kennt, buch dir ein kostenloses Erstgespräch. Wir gehen deine Argumente gemeinsam durch.
Dieser Beitrag ist sorgfältig recherchiert, ersetzt aber keine individuelle Rechts- oder Behördenberatung. Regelungen können sich ändern und im Einzelfall abweichen, verbindlich ist die Auskunft deiner Ansprechperson bei der Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter.
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