Mindset
Warum wir im Coaching keine Ratschläge geben
Gut gemeinte Ratschläge nehmen dir deine eigene Lösung. Warum systemisches Coaching ohne sie arbeitet, erklärt an einer Szene aus Stranger Things.
Geduld ist bekanntlich eine Tugend, erst recht, wenn es darum geht, anderen Menschen ihren eigenen Entwicklungsprozess zu lassen. Keine Ratschläge zu verteilen, egal wie gut gemeint und weitsichtig sie gedacht sind, ist Kern und Ethik unseres Selbstverständnisses als systemische Coaches. Um die Bedeutung dieser Haltung und ihre Konsequenzen besser zu verstehen, hat mir ausgerechnet ein Stück Popkultur geholfen: die zweite Staffel der Netflix-Serie Stranger Things.
Die Szene, die mir nicht mehr aus dem Kopf ging
Kleiner Spoiler für alle, die noch nicht so weit sind. Zu Beginn dieser Staffel erlebt eine der Hauptfiguren, Will, wiederholt alptraumartige Ausflüge in das Paralleluniversum der Serie, wo er von einem Monster verfolgt wird. Der Freund seiner Mutter gibt ihm väterlich und aus eigener Erfahrung den wohlgemeinten Ratschlag, sich seiner Angst zu stellen und das Monster zu konfrontieren. Für Will geht das gehörig schief und prägt den weiteren Verlauf der Geschichte.
Seit ich diese Folge gesehen und die Verbindung zu unserer Coachingethik gezogen habe, steht bei mir eine kleine Plastikfigur aus Stranger Things auf dem Schreibtisch. Sie erinnert mich daran, keine Ratschläge zu erteilen, egal wie gut gemeint sie sein mögen und wie verfahren die Situation meines Gegenübers erscheint.
Ich kenne die ganze Geschichte nicht
Mein Rat nimmt dir deine Lösung
Erstens: Ich kenne die ganze Geschichte nicht
Der Ratschlag in der Serie kommt mit den besten Absichten und erzielt genau das Gegenteil. Ich kenne weder die komplette Geschichte meines Gegenübers, noch kann ich in den Kopf meiner Coachees schauen. Damit kann ich niemals die volle Tragweite und das Gewicht eines Themas abschätzen, also ob es ein schlechter Traum war oder ein ganzer Ausflug ins Upside Down.
Von außen sieht eine Situation oft einfach aus. Das liegt selten daran, dass sie einfach ist. Es liegt daran, dass ich nur den Ausschnitt sehe, der gerade erzählt wird.
Zweitens: Mein Rat nimmt dir deine Lösung
Ich kann auch nicht beurteilen, ob mein Ratschlag für meine Coachees wirklich gut, also passend ist. Ein Rat oder eine Einschätzung ist schnell gegeben und wird von der anderen Seite oft bereitwillig angenommen. Genau das ist das Problem: Es nimmt meinen Coachees die Möglichkeit, eine eigene und viel besser passende Lösung zu entwickeln.
Dieser individuelle Lernprozess, den übrigens auch Will in den weiteren Staffeln durchläuft, ist ein wichtiger Kern unseres Coachings. Für unser Jobcoaching macht er den Unterschied, ob am Ende des Coachings der Traumjob wartet oder das nächste Monster.
Was wir stattdessen tun
Keine Ratschläge zu geben heißt nicht, sich herauszuhalten. Es heißt, anders zu arbeiten:
- Wir fragen, statt zu deuten. Wir stecken nicht in deinem Kopf fest, deshalb stellen wir die Fragen, die du dir selbst gerade nicht stellst.
- Wir halten den Raum, in dem du denkst. Auch dann, wenn es still wird oder unbequem.
- Wir sagen, was wir sehen, nicht was du tun sollst. Der Unterschied ist groß: Das eine ist Material für deine Entscheidung, das andere ersetzt sie.
- Wir sagen ehrlich, was geht und was nicht. Bei der AVGS-Förderung, bei deinem Plan und auch bei uns als Coach.
Was dabei herauskommt, gehört dir. Das ist der Punkt: Eine Lösung, die du selbst entwickelt hast, trägt auch dann noch, wenn das Coaching längst vorbei ist.
Wie das im Jobcoaching aussieht
Wenn du gerade vor einer beruflichen Entscheidung stehst, wirst du viele Ratschläge bekommen, von Bekannten, aus dem Netz, manchmal auch von Stellen, die es gut meinen. Im Bewerbungscoaching bekommst du etwas anderes: Zeit, gute Fragen und ehrliches Sparring, bis deine eigene Richtung klar ist. Mit einem AVGS-Gutschein ist das für dich kostenfrei.
Und wenn du erst einmal für dich sortieren willst, ist herauszufinden, was du wirklich kannst ein guter Startpunkt.
„einen klaren Fahrplan, der gemeinsam entwickelt wird“
Auswahl aus unseren Google-Bewertungen. Alle stammen von Menschen, die wir im Coaching begleitet haben.
Häufige Fragen
Heißt das, ein Coach sagt nie etwas Konkretes? Doch. Wir teilen Beobachtungen, Wissen über den Arbeitsmarkt und klare Einschätzungen zur Förderung. Was wir nicht tun, ist dir die Entscheidung abzunehmen, die dein Leben betrifft.
Ist das nicht bequem für den Coach? Im Gegenteil. Einen Rat zu geben dauert dreißig Sekunden. Jemanden dabei zu begleiten, die eigene Antwort zu finden, ist die deutlich aufwendigere Arbeit, und die einzige, die trägt.
Und wenn ich ausdrücklich einen Rat will? Dann sagen wir dir das offen und schauen zuerst, was hinter dem Wunsch steckt. Oft ist es die Hoffnung, die Verantwortung für eine schwere Entscheidung kurz abgeben zu können. Verständlich, aber am Ende willst du das Steuer selbst in der Hand haben.
Dieser Beitrag ist sorgfältig recherchiert, ersetzt aber keine individuelle Rechts- oder Behördenberatung. Regelungen können sich ändern und im Einzelfall abweichen, verbindlich ist die Auskunft deiner Ansprechperson bei der Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter.